Das Tabakskollegium Berlin

Entsendung eines Vertreters des TKB zu Rainer Barbi

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Drei Tage in Worth - drei Tage dazulernen...

Während der Pipeshow 2007 in Rheinbach schlug mir Rainer vor, ihn in Worth einmal zu besuchen, um eine weiterbildende Zeit dort in der Werkstatt zu verbringen (dass es dabei natürlich nicht bliebt, ist klar ...). Also sattelte ich mein Ross und brach an einem schönen Montag auf in Richtung Hamburg, um den hanseatisch-grossmeisterlichen Stil der Pfeifenherstellung zunächst einmal zu begreifen und dann in der Praxis die neuen Regeln zu erproben. Nun, ich war zwar neugierig, aber auch nicht zu sehr ehrfurchtsvoll, denn mein Bild vom Künstler RB war zunächst von Messeauftritten und Treffen anderer Art in der Öffentlichkeit geprägt.... Ich möchte vorausschicken, dass sich einige Betrachtungsweisen der handwerklichen und künstlerischen Arbeit, aber auch in Bezug auf den Menschen Rainer Barbi während der drei Tage und danach geändert haben. Vieles von dem, was ich dachte oder irgendwo gehört hatte, ist bestätigt , anderes komplett widerlegt worden. Bevor ich lange drum herumrede: Ich bin von der handwreklichen Präzision , Unnachgiebigkeit und Effizienz , der künstlerischen Linie und (das war wichtig) ebenfalls von der menschlichen Kompetenz des "Pfeifenmachers des Jahres 2006" Barbi beeindruckt. Insofern - das muss gesagt werden - ist es mir eine Ehre, mich für einige nicht ganz korrekte Aussagen meinerseits zu dem Pfeifenmacher und vor allem dem Menschen Rainer Barbi zu entschuldigen. Er ist mit vollem Recht einer der anerkanntesten Pfeifenmacher weltweit und ich konnte ihn als hilfsbereiten und sehr grosszügigen Menschen kennenlernen. Ich habe deshalb ein paar Wochen mit dem Artikel gewartet, nun, der positive Eindruck hat sich auch bei längerem Nachdenken noch gefestigt. Also: Ich bedanke mich in aller Form für die Stunden in Worth, die durch intensive Arbeit und ebensolche intensiven Gespräche geprägt waren. Es war mir tatsächlich eine Ehre. Danke auch an Achim Frank für den Ratschlag, diese Welt der Pfeifenmacherei aus der Nähe kennenzulernen...

Kommen wir nun zu einigen Bildern aus Werkstatt und Leben des Pfeifenmachers R.B. ...

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Rainer empfängt seine Gäste stets tief in Arbeit versunken und dreht ihnen den abgearbeiteten Rücken zu, gebeugt von der Last der Verantwortung :-))

 

Udo übernimmt in der Regel die Aufgabe, erste mitgebrachte Werke des Praktikanten kritisch zu beäugen und dann den persönlichen Kontakt zum Meister herzustellen, was mittels eines Kaffees meistens auch problemlos gelingt... Apropos Udo: nett und unaufdringlich immer in Reichweite

 

Das obere Horn war meins, das untere eines aus der Hand von Rainer, was Rainer im durchgerauchten Zustand zur Reparatur zugesandt worden war und zur Beweissicherung kurz durchgesägt wurde. Nun, in diesem Zustand war meins natürlich besser :-)) . Leider hat sich Rainer entschlossen, die Reparatur mittels eines neuen Kopfes zu vollziehen, so dass der erste Platz der Hörner nun wieder ihm gehört...

 

Bekanntermassen "Pfeifenmacher 2006"....

 

Rainer isst total unbekannte Schokolade, von der ich ein paar Happen abbekam. Die Verpackung muss mit Säge, Schere und Zange geöffnet werden, schmeckt aber prima... Ach ne, das war ja gar nicht die Schokolade, das war das Verbandszeug, was für jeden Praktikanten im grossen Erste-Hilfe-Schrank bereitliegt...

 

so werden Mundstücke gefeilt....

 

mit dem gezeigten bescheidenen Bohrersatz werden alle möglichen Löcher in das schöne Holz gebohrt.

 

...wie man sieht, freihändig.

 

Dann (nach dem groben Vorschruppen) geht es weiter am Band

 

Nebenbei werden dann die Ideen notiert (die untere wird einmal meine werden)

 

hier ist meine (die untere) schon ganz schön weit und ganz schön weitgehend mit Rainers Hilfe geformt und geschliffen..

 

Ich habe Rainer vorgeschlagen, endlich seine Nachwendeerfahrungen mit russischen und NVA-Offizieren zu vergessen und vom Spiritus wieder zurückzukehren zu Whisky, was mit dem Erpressungspotential "HB" auch gelang :-))

 

Trotz der Gaben wurde ich sodann gnadenlos den gefährlichen Maschinen ausgesetzt...

 

Immerhin war dann das Pipchen bereit zur Kontrastbeize

 

und dann zur eigentlichen Farbgebung...

 

Am Abend des Tages wurde ich dann belustigt beim Müdewerden beobachtet . Sodann erzählte mir Rainer, wo sein Bruyere tatsächlich wächst:

 

Hier am Haken !

 

Solange es noch wächst, wird gern auch einmal auf andere, einheimische Hölzer zurückgegriffen...

 

Am letzten Tage besuchten wir in der Grossstadt Hamburg den Pfeifenkenner Gerd Jansen in seinem Laden und konnten die gemeinsam hergestellte Pfeife für den EK von 1345,00 € veräussern. Ich habe sie dann zu den üblichen Konditionen zurückkaufen müssen, ich schätze, der Gewinn wurde geteilt..

 

Nun, alles Unsinn, mit dem Besuch ging eine angenehme und lehrreiche Zeit zu Ende.

Ich fuhr dann am Abend weiter zu Hufi nach Mecklenburg und erstattete Bericht. Also, die Nordlichter lassen grüssen, zumal Rainer schon ein paar mal zu Gast in Sommerstorf weilte.

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Nachtrag (1) :

Rainer hat im Laufe der Jahre eine handwerklich faszinierend logische und sinnvolle Technologie entwickelt, die bei konsequenter Anwendung fehlerfreie Arbeit ermöglicht. Er kocht auch nur mit Wasser, aber er kocht sehr gut.

Die künstlerische Linie entwickelt sich auf dieser Grundlage dann zu einer freien Formensprache, die ebenfalls angenehm zu beobachten ist. Es geht also nach zunächst einwandfreier technischer Vorarbeit (die Pflicht) um die künstlerische Vollendung des Produktes (die Kür). In jedem Fall steht am Anfang die selbstverständliche Funktionalität und ein geplantes Ebenmass, und erst auf dieser Grundlage entsteht dann (Kopf und Mundstück immer zusammengebaut) ein Gesamtkunstwerk namens "Rainer-Barbi-Pfeife".

Dies alles muss man übrigens selbst beobachten können, denn wenn bei der eigenen Arbeit unter den Augen von Rainer Fehler vorkommen, die auf mangelnde Aufmerksamkeit zurückzuführen sind, wird er auch schon mal sauer... Das muss man übrigens aushalten können, allerdings gestehe ich persönlich dem Rainer nach diesen Tagen und Stunden in Worth tatsächlich einige Rechte zur Ungeduld und Unduldsamkeit zu. Ansonsten werden alle Fragen tiefgründig und sehr fachmännisch beantwortet. Es ist auch hier eine faszinierende Logik in der Argumentation.

Nachtrag (2) :

Im allgemeinen Gepräch ist Rainer ein kluger und nachdenklicher Partner. Er argumentiert hart und logisch und lässt wenig Geschwätz gelten. Gut, damit konnte ich sehr gut leben, auch wenn ich mein Fett abbekommen habe :-)).

Nachtrag (3) :

Rainer hat sich als absolut netter und grosszügiger Gastgeber und warmherziger Privatmann entpuppt. Ehrlich gesagt, damit hatte ich nicht gerechnet und hatte ihn dort auf der Strecke unterschätzt..

 

Nachtrag (4) :

Song für Rainer

RB (als mp3)

RB - für Rainer B.

1.
Reden wir hier über Präzision ?
Ist das Kunst ?
Reden wir hier über's Geld ?
Käufers Gunst ?

Refr.
Inhalt oder Form?
Freiheit oder Norm?

2.
Reden wir hier über Stil?
Linie pur?
oder über'n grossen Deal?
Kohle nur?

3.
Reden wir hier über Kopf ?
Oder Bauch?
Reden wir hier über'n ganzen Kerl?
oder leider nur "auch"?

4.
Präzision und Linie und so weiter
fand ich bei dem Mann
vor allem aber Menschsein
(und ehrlich, darauf kam's mir an...

Refr.
Inhalt oder Form-
Menschsein ist die Norm

 

Nachtrag (5) :

Diese Pfeife wurde gemeinsam hergestellt:

Länge 120 mm, Höhe 44 mm, Gewicht 33 Gramm, Hornapplikation am MS

 

Nachtrag (6):

Ich habe danach in dem Stil und mit den Technologien eine etwas grössere Bent gebaut

Länge 165 mm, Höhe 46 mm, Gewicht 62 Gramm, Hornapplikation am Holm

 

Last but not least:

Lieber Rainer !

Danke für Deine Gastfreundschaft und die lehrreichen Stunden in der Werkstatt.

Nils Thomsen


© Frank Nicolai 2003