Das Tabakskollegium Berlin

Billes Anekdoten-Archiv

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In Bills-Anekdoten-Archiv" werde ich hier in sporadischer Reihenfolge Anekdoten aus dem Reiche des blauen Dunstes veröffentlichen und ich hoffe, daß der eine oder andere daran Spaß findet.
Die Anekdoten sind dem Buch "Mit Rauchern läßt sich reden...(Ein Reiseführer)" entnommen. Einer Weiterveröffentlichung wird zugestimmt.


Tabakverbot?

Jeder Finanzminister würde in Tränen ausbrechen, gäbe es keine Raucher mehr. Bereits Taylleyrand sagte 1814 als zuständiger französischer Minister, als man ihn aufforderte, gegen das Rauchen und Schnupfen zu Felde zu ziehen, zu einer Dame, die ihn bei Hofe anläßlich eines Empfangs auf diese beiden Laster ansprach:
"Sie haben Recht Madame, Rauchen und Schnupfen sind zwei Laster und ich werde mich bestimmt dagegen einsetzen, sobald sie mir zwei Tugenden nennen, die der Staatskasse jährlich einhundertzwanzig(!)Millionen Franc einbringen."


Bismarck und das offene Fenster

Daß sich Raucher und Nichtraucher früher auch gegenseitig nicht besonders mochten ergibt sich aus einer Geschichte über Bismarck und seine Umgebung.
1870/71 bemühten sich die Engländer zwischen den damals kriegführenden Mächten zu vermitteln. Der Bevollmächtigte der Engländer wartete im Vorraum darauf, zur Audienz gerufen zu werden, als ein anderer Besucher Bismarck Räumlichkeiten verließ und sich selbst Luft zufächelnd den Wartenden erklärte:
"Ich kann nicht begreifen wie der Fürst das aushält,dieser Tabaksqualm in seinem Zimmer zerbeißt einem ja die Augen. Das war so schlimm, daß ich ihn bitten mußte, das Fenster zu öffnen.
Als der Bevollmächtigte danach bei Bismarck eintrat, empfing ihn dieser mit den Worten: "Stört sie das offne Fenster? Ich mußte es aufmachen, denn Graf X. war dermaßen parfümiert, daß ich es nicht aushalten konnte."


Der "Priem-Brief"

»Auf der Höhe von Gravesend, 24.3.1813«
"Lieber Bruder Tom!
Dieser Brief trifft Dich hoffentlich in guter Gesundheit an, wie er mich verläßt, der ich hier seit gestern vier Uhr nachmittags sicher vor Anker liege, nach einer hübschen Reise, die erträglich kurz war und ein paarmal Sturm brachte.
Lieber Tom!
Ich hoffe, daß unser lieber guter alter Vater wohlauf und rüstig ist. Ich muß Dir mitteilen, daß ich gar kein Priem mehr habe. Ich sah in Gravesand danach, fand aber nur miserables, schlappes Zeug. Der Schiffsjunge wird Dir diese Zeilen bringen, lieber Tom und den Priem einstecken, wenn Du ihn gekauft hast.
Den besten in London bekommt man beim "Schwarzen Mann", in sieben Schlingen gerollt.
Geh dorthin und frage nach dem besten Priem; ein Pfund wird genügen. Ferner bin ich knapp an Hemden lieber Tom. Ich nahm ja zwei Hemden mit auf die Fahrt, und damit ist eines ganz abgetragen und taugt nichts mehr; aber vergiß vor allem den Priem nicht. Ich habe seit Donnerstag schon keinen mehr.
Was die Hemden betrifft, lieber Tom, so wird Deine Breite passen, nur sollen sie länger sein. Ich habe die Hemden gern lang und sollte jetzt ein neues Haben. Gut und billig bekommst Du es im Tower Hill.
Aber vor allen Dingen geh zum "Schwarzen Mann", lieber Tom, und laß Dir ein Pfund vom besten siebenteiligen Priem geben und sorge, daß er gut ist.
Der Schiffsjunge soll ihn mir bringen; aber er ist selbst versessen auf Priem. Binde das Päckchen also gut zu.
Lieber Tom, diesen Montag gehts wieder los, irgendwo hin.
Es ist mir nicht so wichtig mit dem Hemd, da das jetzige ja gewaschen werden kann, aber vergiß nicht den Priem.Ich verlasse mich darauf
und bin Dein Dich liebender Bruder Bob.
PS: Vergiß nicht den Priem!"


Marschall "Vorwärts" und seine Tonpfeifen

Blücher (1742-1891),Fürst von Wahlstatt, als "Marschall Vorwärts" in die Geschichte eingegangen, hatten seinen eigenen Piepenmeister, Christian Hennemann, dem es oblag, seine Pfeifen zu stopfen und instand zu halten.
In einer großen Schlacht übergab er ihm die Tonpfeife, die er gerade im Mund hielt,mit den Worten: "Da, halt er sie warm, ich komme gleich wieder!"
Und er ging mit auf den Feind los.
Spät abends, nach geschlagener Schlacht, kehrte er zurück, wo er richtig seinen Piepenmeister rauchend vorfand.
Dieser sagte zu Blücher vorwurfsvoll: "Mehrere hamse mir ausm Mund geschossen, die hier hab ich noch!"
Blücher nahm sie und entschuldigte sich:"Et hat etwas länger jedauert, die Kerle wollten eben nicht jleich loofen!"


Nicolaus Niembsch Edler von Strehlenau (genannt Nicolaus Lenau) verfaßte folgendes kleine Verschen über sein Pfeifchen:

Mein Pfeifchen traut,mir ist Dein Rauch,
voll duftender Narkose, noch lieber als der süße Hauch,
der aufgeblühten Rose.
Und hält die Rose Streit mit Dir, von beiden schöner welche,
bist Du die schönste Rose mir, mit Deinem Glutenkelche.


Wrangel-Pfeifen

Graf von Wrangel (1794-1877),preußischer Feldmarschall, hatte im ersten schleswig-holsteinischen Kriege den Oberbefehl.
Eine findige Pfeifenfabrik ließ Pfeifenköpfe mit seinem Bild machen, die reißenden Absatz bei Militärs und Reisenden fanden.
Als der Waffenstillstand eintrat, stagnierte auch der Pfeifenverkauf.
1849 wurde der Feldzug unter General von Prittwitz wieder aufgenommen.
Da die Firma noch massenhaft wrangelsche Pfeifen am Lager hatte, ließ sie von einem Porzellanmaler den Namen Wrangels entfernen und den von Prittwitz einsetzen.
In wenigen Tagen waren die Pfeifen mit Wrangels Bild und von Prittwitzens Namenszug verkauft.


"Glimmstengel"kommt nach Deutschland

Lübecker Anzeiger 1807

1807 brachten offensichtlich spanische Soldaten die "Glimmstengel" mit nach Deutschland. So ist einem Artikel des "Lübecker Anzeigers" aus dieser Zeit zu entnehmen:
"Bey dem Einmarsch der spanischen Truppen in unsere Stadt sah man die meisten Soldaten Toback, in Papier gelegt, rauchen.Diese Sitte ist aus mehreren Gründen sehr nachtheilig. Denn erstens ist der Dampf zu heiß, zweitens kommt zuviel Rauch in den Mund, drittens ist der Rauch und die Hitze den Augen zu nahe und viertens ist der Rauch den verbrannten Papiers am allergefährlichsten, denn dieser wirkt vorzüglich auf die Brust und die Lungen...Jeder Vater, Erzieher, Verwandter und Handwerksmann muß billg aufmerksam auf die nachtheiligen ausländischen Sitten gemacht werden, damit die unverständige Jugend von diesem einreißenden Übel abgehalten werde."


Brief an den Berliner Polzeipräsidenten (1818)

..."Aus den Zeiten der Barbaren besteht noch gegenwärtig ein Gesetz, welches das Tabakrauchen auf Straßen und Plätzen verbietet, obgleich dieses Vergnügen niemanden schädigt oder hinderlich ist, selbst der Vorwand, als wäre es dem Anstande zuwieder ist dadurch genugsam wiederlegt, daß es in vielen großen Städten Deutschlands, selbst in dem gebildeten Frankreich keines wegs für unanständig gehalten wird, daß Spazierengehende sich dieses Genusses erfreuen. Wenn daher ein hochwohllöbliches Polizeipräsidium dieses Verbot zurücknehmen möchte, würde dasselbe bedeutend in der Achtung des Publiko gewinnen, wodurch es reichlich für die aus seiner Casse dadurch entstehenden Strafgelder entschädigt würde, und Unterschriebener würde den Thiergarten wieder besuchen können, den er, seitdem er dort nicht einmal ruhig seine Pfeife rauchen kann, gemieden hat."
(D i e s e r Brief wurde nie beantwortet!)


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