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Nilst (Nilst)
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Benutzername: Nilst

Nummer des Beitrags: 866
Registriert: 4-2003
Veröffentlicht am Sonntag, 08. Juli 2007 - 16:52 Uhr:   Beitrag editierenBeitrag löschen

Liebe Tabakfreunde und - gegner,

in den zum Teil erbittert geführten Auseinandersetzungen der letzten Jahre in Bezug auf das Rauchen steckt weit mehr als der Streit um den Tabak oder dessen Genuss oder die Abhängigkeit von demselben... im Grunde stehen wir hier mitten in einem Stellvertreterkrieg um die Fragen von Freiheit und Unfreiheit, Genuss und Sucht, Toleranzgebot und Verbot unverhältnismässiger Störungen der Freiheit des Einzelnen (auch die, NICHT durch Aktivitäten Anderer in seiner Freiheit eingeschränkt zu werden). Die Raucher-/ Nichtraucherdiskussion ordnet sich ein in viele andere Themen, die sich immer um denselben Themenkreis bewegen: Inwieweit ist jedwede Aktivität zumutbar und muss toleriert werden, inwieweit jedoch nicht ? Inwieweit sind alle Mittel zur Durchsetzung der verschiedenen Interessen erlaubt ? Diese Frage kann man nun aus der Perspektive des Belästigten oder Belästigenden, Geschädigten oder Schädigenden, die Solidargemeinschaft stärkenden oder schwächenden Einzelnen und unter sehr vielen anderen Blickwinkeln betrachten... Man kann bei den Genussmitteln und der IMMER damit verbundenen Suchtgefahr bleiben, könnte aber auch das Recht auf freie Meinungsäusserung im Zuge der Durchsetzung (vermeintlicher) Interessen der Konsumenten oder der dieses Missbilligenden betrachten, das Thema ist unendlich... Nun, bleiben wir zunächst einmal bei den Genussmitteln, die, wie gesagt, immer auch Suchtpotential haben:

Alkohol: hat in geringen Mengen anregende Wirkung, soll als Bier und Wein und in geringen Mengen in Verbindung mit anderen Bestandteilen der Getränke gesundheitsförderlich sein, ist geselligkeitsfördernd und in dem Zusammenhang gut geeignet, gemeinschaftlich Stress abzubauen und sich angenehm in sozialen Gefügen zu bewegen, was ein ungeheurer Vorteil von Geselligkeit im Allgemeinen sein KANN... Egal, ob es Tischwein, ein Pilsner, Raki, Weinbrand... oder auch vergorene Stutenmilch ist, Alkohol ist unstreitig ein angenehmer Begleiter in allen Lebenslagen, wenn man ihn beherrscht und solange man nicht von ihm beherrscht wird. Der Umgang mit Alkohol ist im Allgemeinen und besonders für speziell konditionierte Menschen relativ gefährlich: Im Falle der beginnenden und später ausgeprägten Sucht sind die Folgen katastrophal: Desozialisation, Krankheit, Vertrauensverlust der Umgebung, Vereinsamung, Belastung der Gemeinschaft, allgemeine Kriminalität wegen Senkung der Hemmschwelle und wegen Beschaffungsnotwendigkeit, Verlust der allgemeinen Orientierung und des "inneren" Gerüstes allgemeiner Regeln des Zusammenlebens usw.usf.... Was also tun mit der Droge ALKOHOL in offenen Gesellschaften ? Ein allgemeines Verbot scheint zwecklos oder jedenfalls nicht zielführend zu sein, wie die Geschichte der USA zeigt, im Gegenteil, die Verbotsfolgen (Entstehung grosser illegaler und krimineller Vereinigungen uvam.) waren viel unangenehmer als die direkten Folgen der legalen Verbreitung des Genussmittels.... Erschwerend kommt hinzu, dass unter den Bedingungen ungehemmter und schlechtregulierter Profitgier die Süchtigen nicht nur billigend in Kauf genommen werden, sondern solange "gefüttert" werden, bis sie als Konsumenten ausfallen, eine sehr unangenehme Wahrheit (und trifft vielleicht auf einen guten Single Malt eher nicht zu, da das Suchtverhalten über den Preis sehr eingeschränkt wird und der Genuss des sehr speziellen Produktes vorhergehende Beschäftigung damit voraussetzt und sicher noch aus Gründen der Verfügbarkeit und relativer Kultur der Vermarktung).

Sollen wir also nun den Alkohol verbieten ? Und wenn ja, aus welchen Gründen ? Um den Nutzer vor sich selbst zu schützen oder den Nachbarn/Mitmenschen vor Belästigung oder die Solidargemeinschaft vor Schaden ? Das sind tatsächlich und ohne Zweifel berechtigte Fragen, nur scheint eben ein allgemeines Verbot nicht zweckmässig zu sein.... nicht in der angeblichen Freiheitsikonenzone USA und auch in der Sowjetunion unter Gorbatschow nicht...

Ich persönlich schlage vor, das Thema Alkohol unaufgeregt und zielführend zu behandeln: Mein Ziel ist es, das Produkt als Genussmittel im Sinne vo GENUSSmittel und geselligkeitsfördernden Stoff (aber auch als zweckmässigen Bestandteil von Medikamenten und Lebensmitteln usw.) zu erhalten und der uneingeschränkten billigen Massenproduktion und -konsumtion , insbesondere bei Minderjährigen, den Kampf anzusagen... Wie könnte das gehen ? Indem unsere Generation endlich wieder Ihrer Verantwortung gerecht wird und sich um die Nachwachsenden kümmert.. Dieses ganze Gekreisch über die sogenannte Jugendszene (Flatratesaufen, Eckenkiffen, Kippenpaffen...) ist einfach ein Spiegel für uns selber, WIR haben das versaut, weil wir mittlerweile zu wenig Umgang mit den nachwachsenden oder unseren Nächsten im allgemeinen haben. Ich finde den Vater, der ab und zu mit seinem Sohn ein Bier trinken geht, 1000x besser als den, der das Bier im Allgemeinen verbietet oder sogar noch einen Dritten (den armen Lehrer nämlich oder den Polizisten oder Rechtsanwalt) missbraucht, weil er selbst dämlich oder faul oder unsozial gegenüber seinen Kindern ist... Dann nämlich kann/könnte der Sohn den Umgang mit Genussmitteln lernen und übrigens beim (relativ ungefährlichen Bierchen) gleich noch über Kiffen, Rauchen, Missbrauch, Toleranz, Bergrenzungen der eigenen Freiheit zugunsten anderer Menschen, die eigene Unfertigkeit des Vaters und vieles andere mehr reden... So jedenfalls versuche ich es, mit nicht immer optimalem Ergebnis, sicher, aber eines ist erreicht worden : Kommunikation und Nachdenklichkeit und mehr und mehr eigene freie Entscheidungsfähigkeit der Kinder und manchmal derer Freunde, wenn die mitkommen....

Insofern denke ich, dass das Thema Sucht=Unfreiheit und Genuss=Freiheit umfassender ist als dieser lächerliche Prinzipienstreit über Suchtrauchen-Genussrauchen-Nichtrauchen, es geht wohl doch mehr um Reden-Schweigen, Reden-Überzeugen-Zwingen, Tolerieren-Einschränken-Bekämpfen-Ausrotten uvm.

Und es geht für mich immer auch um das eigene Engagement in Relation zum affektierten Geschrei nach dem Gesetzgeber.

Insofern, Rachow, Respekt. Auch weil Du sicher ein durch schlechte Eltern missbrauchter Lehrertrottel bist, mit Verlaub. Trotzdem: Du hast nicht recht. Nicht mit den Gutachten, nicht mit dem Stil und nicht mit den beabsichtigten Wirkungen. Du bist nur Mitläufer im zeitgeistigen Mainstream, ein Opportunist der angeblichen Mehrheit.... Zu undialektisch , Peter...

Ich jedenfalls fahre jetzt mal eben mit meinem Bengel ins www.lepetitparadis.de, setze mich da in die Sonne mit ihm, ein bisschen quatschen und Pfeifchen rauchen. Ehrlich gesagt, ich geniesse das, auch in Abgrenzung zu "Pädagogen Prügelpeitsch", frei nach Udo Lindenberg

In dem Sinne

Nils Thomsen

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